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Rückert Friedrich

Die Ritornelle von Ariccia
Auswahl aus den an Ort und Stelle gesammelten
1817

Die Kleine
Mein Liebster, machet mir nur keine Faxen !
Denkt nicht, weil ich klein, daß ich's nicht merke !
Ich zahl' es euch, wann ich bin groß gewachsen.

Die gefährlichen Granaten
In Eurem Busen tragt Ihr zwo Granaten;
Ihr tut, o Schöne, das, um mich zu töten;
Die Schönheit gab Euch Gott zu meinem Schaden.

Eindringliche Seufzer
Blüte der Viole!
O meine Seufzer, dringet durch die Mauer,
Wie eine Ahle durch des Schuhes Sohle.

Gegen den Zauber des bösen Auges

Blüte vom Lauche!
Steck' auf den Hut ein Börstchen fein vom Igel,
So schadet niemand dir mit bösem Auge.

Die Schlafkammer

Apfelblütblättchen !
Unter dem Dache schläfst du, schönes Kindchen,
Wo sich die Schwalbe hat gemacht ihr Nestchen.

Die Schönheitsgaben
Ihr habt zwo Schönheitsgaben zum Verderben:
Das Wasser, welches fließet, macht ihr stocken,
Und einen, der euch liebet, macht ihr sterben.

Mahnung ans Versprechen
Gedenke mir, was du mir hast versprochen;
Spinn auf und dann spinn ab, und dann geh schlafen;
Tu, als verschlössest Du, und laß mir offen.

Reiseschuhe
Ich will mir machen ein Paar neue Sohlen;
O Gott, was für 'nen Weg, den ich will machen!
Ich will ihn finden, der mir's Herz gestohlen.

Paradiesesspeise
Blüte vom Reise!
Zucker und Maccaroni, Butter und Käse,
O welche schöne Paradiesesspeise.

Das Wickelkind
O Traubendolde!
Dein Wickelbändchen waren weiche Winde,
Dein Wickelkissen Sonne samt dem Monde.

Der Gastfreie

Sprecht ein, doch bleibt drei Schritte mir vom Tische !
Das angeschnittne Brot hier laßt mir liegen,
Und schneidet auch nicht an dort jenes frische !

Ländliche Schönheit
Schwarz ist dein Auge gleich dem Pfefferkorne,
Rot deine Wange wie vom Blut der Rüben,
O von der Mutter mir zur Lust Geborne!

Nicht schön, doch lieb
Eine schöne Schönheit kann man dich nicht nennen,
Ein garstiges Gesicht bist du noch minder,
Du bist mein artig Mohrenköpfchen eben.

Die an den alten Reichen Verheiratete
Blüte der Klette!
Die Habe kommt und gehet gleich dem Winde,
Doch deinen Alten hast du nun im Bette.

Nachts vor ihrem Hause
O Blütenrispe!
Vor deinem Haus hab' ich getan ein Räuspern,
Nun tu' ich zu dem Räuspern noch ein Wispern.

Still vorüber

Eins Nachts ging ich vorüber deinem Häuschen,
Doch deine Mamma sah ich an dem Fenster;
Ich ging vorüber still alswie ein Mäuschen.

Schlechter Einkauf
Ich ging nach Rom, und kaufte mir 'ne Katze,
Ich dacht, als Esel sollte sie sich reiten;
Sie ritt sich, ih, daß sie der Teufel kratze!

Ein Kränzlein für die Spröde

Am Weg nach Rom da wachsen die Brennesseln;
Ich will mir unterwegs ein Kränzlein bosseln,
Um meiner Spröden Herz damit zu fesseln.

Der Kuß des Pizzicarols (Käsekrämers)
O schönes Mädchen, das du riechst nach Käse,
Es hat dich der Pizzicarol geküsset,
Geküßt hat er dir samt dem Mund das Näschen.

Wohlfeile Ware
Ihr Junggesellen, wollt ihr euch beweiben ?
Es ist ein Schiff von Jungfern angekommen,
Zehn für 'nen Dreier wie die trocknen Feigen.

Lockung in den Knoblauchgarten
Schön Jüngferchen, wenn ihr wollt Knoblauch speisen,
So kommt in meinen Garten, ihn zu pflücken,
Ich will euch zu dem rechten Beete weisen.

Für den Nachtbesucher

Blühende Linde!
Zünd'an in deinem Dunkel eine Lampe,
Daß seinen Weg zu mir mein Liebster finde.

Süße Worte
O Blütenkrone !
Du ziehst vom Himmel einen Engel nieder
Mit deiner Worte honigsüßem Tone.

Die frühe Mandelblüte
O Wunsch der Männer !
Schön Mädchen, mögest du so schön blühn immer
Als wie die junge Mandelblüt' im Jänner.

Rückblick
Der Mandelblüt', im Januar geboren,
Denk ich mit Sehnsucht jetzt in einem Jahre,
Da uns im Mai die Apfelblüt' erfroren.